Journalisten – wie sie arbeiten

Journalisten sind Meinungsmultiplikatoren und bestimmen maßgeblich die öffentliche Diskussion. Um erfolgreich mit ihnen zusammenarbeiten zu können, ist es hilfreich, wenn man einige Details über ihr Wirken besser versteht.

Selbstverständnis der Medien
Journalistische Formate sind vielseitig. Medien berichten objektiv über Neuigkeiten und Fortschritt, sie geben aber auch subjektive Meinungen wieder und kommentieren selbst. Ihr Antrieb: Spannende und informative Storys erzählen, Auflage, Einschaltquoten oder Klickzahlen steigern, für den „kleinen Mann“ sprechen oder Missstände und Skandale aufdecken. Je nach Medium und Arbeitsfeld des Journalisten unterscheidet sich das Selbstverständnis. Allen gemeinsam ist aber ihr Streben nach Entscheidungsfreiheit. Grundsätzlich gilt: Journalisten sind wichtig und notwendig für die öffentliche Meinungsbildung und ein Pfeiler unserer Demokratie.

Wettbewerb
Zwischen Journalisten gibt es einen Wettbewerb um gute Themen. Schließlich geht es um Auflagen und Einschaltquoten. Wenn Sie beispielsweise dauerhaft exklusiv nur mit einer Zeitung oder einem Journalisten zusammenarbeiten, wird das nicht unbedingt das Verhältnis zu anderen Redaktionen fördern. Seien Sie auch aufgeschlossen bei anderen Anfragen.

Zeitdruck
Der Redaktionsschluss schwebt immer als unsichtbares Damoklesschwert über der Arbeit von Journalisten. Erleichtern Sie ihnen die Arbeit, beispielsweise durch klare Botschaften, eine gute, prägnante Pressemeldung und eine passende Bilderauswahl. Zeitdruck bei Journalisten bedeutet aber auch: Lassen Sie sich nicht treiben und vermeiden Sie Schnellschüsse. Für ein Interview sollten Sie sich Zeit nehmen und Ihre Botschaften vorher mindestens einmal im Kopf durchgehen. Führen Sie auch ein Vorgespräch mit dem Journalisten und lassen Sie sich anschließend Ihre wortwörtlichen Zitate noch einmal vorlegen.

Vertrauensverhältnis aufbauen
Der Umgang mit Medien ist ein Geben und Nehmen. Journalisten, die sich für Ihre Arbeit interessieren, sind wertvolle Multiplikatoren für Sie und Ihren Betrieb – aber auch die Journalisten profitieren davon, dass sie mit Ihnen kooperieren. Denn sie benötigen Ihre Informationen und die Einblicke in Ihre Arbeit für ihre guten Storys. Es kann also nicht schaden, den Dialog mit Journalisten kritisch, überlegt und mit einer Portion professioneller Distanz zu führen. Angst vor ihnen braucht man aber nicht zu haben. Wenn Sie selbst in schwierigen Situationen sachlich, ruhig und korrekt informieren, wird der Journalist fair mit Ihnen umgehen und auch später gerne auf Sie zurückkommen.

Grundsätzlich gilt:
Spekulieren Sie nicht und mutmaßen über Dritte. Berichten Sie Journalisten von Ihrem Wissen und Ihrem Alltag. Was außerhalb Ihres Betriebes liegt und Sie nicht seriös beurteilen können, sollten Sie auch nicht kommentieren.

Fachwissen
Journalisten können nicht alle Details Ihrer Branche kennen. Daher müssen sie sauber informiert werden. Bieten Sie an, den Entwurf des Beitrags fachlich zu prüfen. Nicht alle, aber etliche werden das Angebot annehmen. Seriöse Journalisten sind sehr daran interessiert, gut recherchierte Themen zu veröffentlichen.

Berichtenswertes
Journalisten sind immer auf der Suche nach Themen, die von ihren Lesern/Hörern/Zuschauern nachgefragt werden. Unabhängig davon, ob Boulevardblatt, Wirtschaftsmagazin oder Regionalfernsehen: Sie sind auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen und nach Dingen, die Gefühle berühren.

Qual der Wahl
Journalisten greifen nur einen kleinen Bruchteil der täglichen Pressemeldungen auf. Sie sollten daher sehr genau überlegen, welche Themen sich für die Pressearbeit eignen und welche Medien angesprochen werden sollen. Eine Pressearbeit, bei der nur Nichtigkeiten verbreitet werden, macht Sie auf Dauer uninteressant für Medien.

Skandale
Journalisten decken Missstände auf. Das ist ihr Job. Und wir können dankbar sein, dass diese Form des freien Journalismus existiert. Es kommt aber auch immer wieder einmal vor, dass einzelne Unternehmen oder Betriebe zu Unrecht in die kritischen Schlagzeilen geraten. Fürchten Sie dieses Szenario nicht, denn es ist nicht die Alltäglichkeit – aber seien Sie vorbereitet auf mögliche kritische Themen, die Sie berühren könnten. Grundsätzlich gilt: Wenn Sie offen, transparent und glaubhaft Ihre Argumente vorbringen können, sind Sie gut gewappnet. Und sollten Sie bei einer Medienanfrage einmal unsicher sein: Fragen Sie den Journalisten offen, was sein konkretes Interesse ist. Wenn Sie sich nicht zuständig fühlen, verweisen Sie gegebenenfalls an einen anderen Interviewpartner.