Wasserschutz – eine Frage der Ehre

Vorstandsmitglied des Arbeitskreises DRÜBER UND DRUNTER, Bernd Bulich aus Köln, empfiehlt allen Landwirten eine schonungslose Aufklärung der Verschmutzungsursachen von Grundwasser. Dann können die Ursachen gemeinsam und schrittweise beseitigt werden.

Herr Bulich, sind Moderne Landwirtschaft und Wasserschutz miteinander vereinbar?

Selbstverständlich! Im Gebiet unserer Wasserkooperation im Kölner Süden ist es gelungen, die Nitratwerte im Grundwasser von teilweise über 90 mg auf deutlich auf unter 30 mg pro Liter zu verringern. Entscheidend war und ist der offene Umgang von Land- und Wasserwirtschaft miteinander sowie der Wille, gemeinsam voranzukommen.

Nitratwerte im Grundwasser sind aktuell ein heißes Thema. Sind auch Sie in die Schusslinie der Kritiker geraten?

Leider ja. Die bundesweite öffentliche Diskussion überlagert unsere regionalen Fortschritte. Wir erleben, dass die Medien vielfach undifferenziert über die Nitratbelastung in NRW, aber auch in Deutschland berichten. Vor Ort haben wir jedoch ein günstiges Umfeld geschaffen. Ob Redaktionen oder Wasserbehörde – bei den wichtigen Partnern bleiben wir am Ball und arbeiten beständig an einem vertrauensvollen Umgang miteinander.

Was raten Sie anderen Landwirten, die in Regionen mit erhöhten Nitratwerten wirtschaften?

Das Wasserproblem ist da, das können wir nicht wegdiskutieren. Deshalb müssen alle Beteiligten eng zusammenarbeiten und schonungslos nach den Ursachen suchen. Mit einem gemeinsamen Maßnahmenkatalog können die Ursachen schrittweise beseitigt werden. Selbstverständlich sind auch außerlandwirtschaftliche Quellen zu untersuchen – etwa defekte Kanalisationen oder Altlasten in Deponien. Grundvoraussetzung ist das ehrliche Interesse an sauberem Trinkwasser und einer intakten Umwelt. Dafür tragen wir als zahlenmäßig immer weniger werdende Landwirte eine besondere Verantwortung.

Mit welchen Maßnahmen haben Sie das Wasser sauber bekommen?

Wir haben ein ganzes Bündel von Maßnahmen umgesetzt. Das hat mit N-min-Untersuchungen und dem Anbau von Zwischenfrüchten angefangen und geht heute mit individuellen Düngestrategien weiter, die gemeinsam mit einem Berater erarbeitet werden. Wir legen viel Wert auf einen ausreichenden Humusgehalt unserer Flächen. Damit erhöhen wir die Bodenfruchtbarkeit und die Pufferkapazität der Böden für Schadstoffeinträge aus der Luft. Mit dem Kölner Mulchsaatverfahren haben wir ein Anbauverfahren entwickelt, das den Eintrag von Nitrat ins Grundwasser minimiert.

Wie machen Sie Ihre Arbeit und Ihre Erfolge bekannt?

Durch Pressearbeit hat unser Arbeitskreis die Aktivitäten im Gewässerschutz über diverse Artikel in der Tagespresse und Fachpresse sowie im Lokalfernsehen und auf unserer Internetseite bekannt gemacht. Wir scheuen aber auch nicht vor brisanten und für uns kritischen Themen zurück. Dadurch kennen uns viele Redaktionen und Redakteure. Wenn es gut läuft, rufen die Medienvertreter vor einer entsprechenden Berichterstattung an und holen unsere Meinung ein. Hier reagieren wir sehr flexibel und lassen notfalls alles andere stehen und liegen. Denn das sind wichtige Chancen, unsere Sicht der Dinge darzustellen. Gleichzeitig vermitteln wir unseren Berufskollegen, dass eine verstärkte Medienpräsenz wichtig ist und überhaupt nichts damit zu tun hat, dass sich die Vorstandsmitglieder des Arbeitskreises gerne in der Zeitung sehen. Mit Umweltverbänden, Umweltausschüssen, Politikern und Beiräten halten wir Kontakt und laden sie regelmäßig auf unsere Betriebe ein. Wir haben uns einen eigenen Informationsstand zugelegt und sind damit einmal im Jahr auf einem regionalen Herbstfest vertreten. Auf Anfrage sind wir auch gerne bereit, unsere Arbeit mit einem Vortrag oder einer Vorführung zu präsentieren.

 

Weitere Informationen: ak-drueber-und-drunter.de