Petra Düring: „Öffentlichkeitsarbeit ist Chefsache.“ © Bayerischer Bauernverband

Öffentlichkeitsarbeit ist Chefsache

Die meisten Betriebsleiter in der Landwirtschaft glänzen durch Abwesenheit in den sozialen Medien. Petra Düring vom Bayerischen Bauernverband spricht Klartext. Ihrer Meinung nach ist jeder einzelne Landwirt zuständig für Öffentlichkeitsarbeit.

Frau Düring, Sie sind für die Öffentlichkeitsarbeit im Bezirksverband Oberbayern tätig. Wie engagieren sich „Ihre“ Mitglieder in den sozialen Medien?

Es gibt einige superaktive Landwirte, die den Nutzen von Facebook, Twitter und Instagram erkannt haben und diese Instrumente erfolgreich einsetzen. Auf der anderen Seite gibt es leider noch die große Mehrheit, die gar nichts macht. Wir merken das auch anhand der Anmeldungen zu Fortbildungsveranstaltungen. Hier ist noch viel Luft nach oben. Dabei sind die sozialen Medien ideal, um die städtische Bevölkerung zu erreichen. Die hat nämlich noch weniger Kontakte zur Landwirtschaft als die Dorfbewohner.

Worauf führen Sie die Zurückhaltung zurück?

Schwer zu sagen. Am Alter der Beteiligten liegt es nicht. Ich habe sogar festgestellt, dass die jüngeren Landwirte tendenziell weniger aktiv sind als die mittelalte Generation. Manchen fehlt vielleicht auch der Mut. Ein Grund könnte aber die nach wie vor weit verbreitete Einstellung sein, dass doch schließlich der Bauernverband für die Öffentlichkeitsarbeit da sei. Das sehe ich jedoch ganz anders.

Wer ist denn für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig?

Jeder einzelne Landwirt. Öffentlichkeitsarbeit ist Chefsache und die kann nicht delegiert werden. Wenn beispielsweise das Betriebsleiterehepaar erklärt, wieso und wie sie Pflanzenschutzmittel einsetzen, hat das eine hohe Glaubwürdigkeit. Wenn aber der Bauernverband dies täte, wäre die Glaubwürdigkeit viel geringer. Jeder würde denken: „Der Verband wird für diese Aussagen bezahlt.“ Als Verband können wir allerdings das Engagement fördern und den Akteuren das Handwerkszeug mitgeben.

Wieso ist für Sie eine breite Präsenz so wichtig?

Wer landwirtschaftliche Themen googelt, soll bei den Treffern auch „unsere“ Inhalte finden. Wir dürfen den landwirtschaftskritischen Organisationen wie Peta, Greenpeace und anderen das Feld nicht überlassen. Wir müssen alle gemeinsam daran arbeiten, realistische und positive Bilder – damit sind auch Fotos gemeint – über unsere Branche zu verbreiten. Auch sollten wir uns an Diskussionsforen und Blogs beteiligen, um unsere Sicht der Dinge zu erklären.

Können Sie kurz beschreiben, wie Inhalte vermittelt werden müssen, damit sie beim Verbraucher ankommen?

In sozialen Medien ist eine Regelmäßigkeit wichtig. Im Idealfall sollte ein- bis zweimal pro Woche ein neuer Inhalt veröffentlicht werden. Das können ganz kurze Beiträge sein, denn die Leser ermüden bei langen Texten. Bilder sind ganz wichtig. Die Themen sollten auf die Verbraucherinteressen zugeschnitten sein. Wir werden dann besonders gut verstanden, wenn wir eine einfache, laiengerechte Sprache, möglichst ohne Fremdwörter und Fachbegriffe, sprechen.