Öffentlichkeitsarbeit fängt im eigenen Umfeld an

„Jeder hat in seinem Umfeld Kontakte, die er für die Öffentlichkeitsarbeit nutzen kann.“ Deshalb spricht Claudia Bleckmann zwei Stunden beim Lions Club über Landwirtschaft. Die Agraringenieurin aus Werne (Westfalen) setzt auf ehrliche Darstellung und offene Diskussion.

Frau Bleckmann, worüber referieren Sie beim „Lions Club Werne in Westfalen“, mit welchem Ziel machen Sie das?

Das Thema lautet: „Der Strukturwandel der Landwirtschaft in Werne“. Ich werde das am Beispiel unseres Spargelbetriebs mit Direktvermarktung und Pensionszimmern beschreiben. Dazu haben mein Mann und ich schon einige Ideen gesammelt. Um das Thema vollständiger darstellen zu können, beziehe ich den Schweinemastbetrieb meines Bruders ein. Es geht mir um eine ehrliche Darstellung der Landwirtschaft mit all ihren Stärken aber auch Problemen. Bei den Veranstaltungen des Lions Clubs sind immer interessante Teilnehmer dabei. Deswegen hoffe ich auf einen offenen und sachlichen Meinungsaustausch. Vielleicht wird auch die eine oder andere Anregung weitergetragen. Ich habe mich sehr über die Anfrage gefreut, denn viele Organisationen sprechen nur über uns Landwirte, nicht mit uns. So besteht die Chance zum Dialog.

Wie ist der Kontakt mit dem Lions Club zustande gekommen?

Der Präsident des Clubs hat mich angesprochen. Einige Mitglieder kenne ich persönlich. Der eigentliche Auslöser war jedoch ein Bericht in der Lokalpresse über meine AgrarScout-Tätigkeit auf dem ErlebnisBauernhof der Internationalen Grünen Woche. Mittlerweile ist eine zweite Anfrage aufgrund des Berichts bei uns eingegangen.

Wie groß ist der Aufwand?

Ich bin noch in der Vorbereitung und kann es nicht genau abschätzen. Aber da fallen schon einige Stunden an. Den Vortrag will ich mit einer PowerPoint-Präsentation professionell gestalten. Das ist glücklicherweise kein Neuland für mich. Durch mein Landwirtschaftsstudium und die mehrjährige Tätigkeit bei der Agravis Raiffeisen AG bin ich damit vertraut. Das FORUM unterstützt mich außerdem mit einigen Charts. Weiterhin habe ich agrarstatistische Zahlen speziell zum Gebiet Werne bei der Landwirtschaftskammer angefragt.

Sind das Ihre ersten Aktivitäten im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit?

Nein, wir haben durch unsere Direktvermarktung ganz viele Kontakte zur Bevölkerung. Die nutzen wir intensiv, auch um am Image der Landwirtschaft zu arbeiten. Tage der offenen Tür, Hoffeste, Feldführungen mit Besuchergruppen – das alles gehört für uns mittlerweile wie selbstverständlich dazu. Unser gesamtes Team auf dem Hof steht jeglichen Fragen offen gegenüber.

Was empfehlen Sie Berufskollegen, die sich ebenfalls in der Öffentlichkeitsarbeit engagieren wollen?

Es muss nicht immer eine spektakuläre Aktion sein. Wir haben zum Beispiel mit Kindergartengruppen im wahrsten Sinne des Wortes klein angefangen. Wer Kinder im Kindergarten- oder Schulalter hat, kann die Erzieher oder Lehrer ansprechen. So kann man erste Erfahrungen mit Besuchern sammeln. Viele Landwirtsfamilien sind in Vereinen aktiv. Egal ob im Sportverein, Schützenverein oder Kegelclub – überall gibt es Berührungspunkte mit Nichtlandwirten. Diese Kontakte sollten wir nutzen, um an unserem Image zu arbeiten, durch Gespräche oder Einladungen auf den Hof – und dann einfach davon erzählen, was wir tun und warum wir es so machen. Die Anregungen unserer Gäste sollten wir nutzen, um vielleicht auch die Arbeitsweise auf dem eigenen Betrieb zu überdenken. So können wir mit einem gemeinsamen Dialog mit dem Verbraucher sicher viel erreichen – jeder im Kleinen. Aber in Summe gemeinsam hoffentlich viel!