Lena Hennig wartet nicht auf schlechte Presse

Sie bloggt direkt aus dem Schweinestall. Lena Hennig aus Großenlüder (Hessen) meldet sich im Web und auf ihrer Facebook-Seite sowie neuerdings sehr erfolgreich auf „Bauernwiki – Frag doch mal den Landwirt“ zu Wort.

Frau Hennig, welche Themen greifen Sie in ihren Blogeinträgen auf und was treibt Sie an?

Ich beschreibe Themen rund um die Arbeit im Schweinestall. Darin bin ich recht fit, weil ich aktiv in alle Arbeitsabläufe auf dem Ferkelerzeugerbetrieb meines Partners eingebunden bin. In meinem Stall-Blog spare ich keine Themen aus. Auch nicht Themen, die in der Öffentlichkeit kritisch diskutiert werden wie „Kastenstände“ oder „Schwänze kupieren“. Durch den Stall-Blog lebt die Betriebswebsite. So habe ich auch die Möglichkeit, dem Leser dosiert sehr komplexe neue Themen an die Hand zu geben und auf Fragen zu antworten. Anfangs wurde mir aus meinem Umfeld zwar eher davon abgeraten. Aber ich habe mich immer wieder gefragt, welche Möglichkeiten uns bleiben, wenn wir für das, was wir mit viel Engagement in unserem Betrieb tun, mehr und mehr mit dem Rücken an die Wand gedrängt werden. Ich bin der Meinung, dass wir Landwirte gerade hier erklären müssen, wieso wir die Dinge so machen wie wir sie machen. Trotzdem begibt man sich mit seinem Einsatz vermehrt in den Fokus der Öffentlichkeit und gerade dieser ist nicht zu unterschätzen. Ich habe bislang noch keine schlechte Kritik für meine Arbeit bekommen. Aber ausschließen würde ich das nicht. Damit muss ich dann umgehen können.

Was ist typisch für Ihre Blogeinträge?

Viele anschauliche Bilder und kurze erklärende Texte! In den sozialen Medien kommen lange Ausführungen nach meinen Erfahrungen einfach nicht an. Das heißt aber auch, dass die Fotos aussagekräftig gestaltet werden müssen. Einfach mit der Kamera losfotografieren ist da zu wenig. Ich stehe in meinem Blog für eine ehrliche Darstellung unserer Arbeit und genau das müssen die Bilder auch widerspiegeln. Aber trotz alledem ist es schon wichtig, die Aufnahmen verbrauchergerecht darzustellen. Saubere Stallbereiche und vor allem helle und freundliche Aufnahmen sind ein Muss. Das schafft sogar mein Smartphone, das ich immer dabei habe, um auch mal einen Schnappschuss zu machen. Die kurzen Texte müssen zudem auf den Punkt gebracht werden, also das Wichtigste leicht verständlich enthalten.

Wo veröffentlichen Sie Ihre Geschichten aus dem Schweinestall?

Ausgangspunkt war die Webseite unseres Betriebs. In der Rubrik „Stall Blog“ sind die Beiträge zu finden. Einmal pro Woche stelle ich ein neues Thema ein. Doch eine tolle Homepage und ein Stall-Blog reichen nicht aus. Wie bekommt der Verbraucher überhaupt mit, dass es uns gibt? Aus diesem Grund habe ich parallel zu unserer Homepage immer wieder kleine Videos auf Facebook eingestellt, mit einer kurzen Beschreibung versehen und mit einem Link auf unsere Internetseite aufmerksam gemacht. Die Bekanntmachung gehört zu den mühsamsten Aufgaben, aber auch zu den wichtigsten. Ende Januar habe ich erstmals auch auf der Facebook-Seite „Bauernwiki – Frag doch mal den Landwirt“ veröffentlicht. Das ist ein mittlerweile sehr bekanntes Portal für Landwirte und Verbraucher. Der Erfolg war durchschlagend. Schon nach einem Tag hatte der Beitrag ca. 40.000 Klicks – ein Vielfaches von dem, was ich zuvor erzielt hatte. Darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut und bin gespannt, wie sich das weiter entwickelt.

Wer liest Ihre Beiträge und welche Kommentare haben Sie bisher erhalten?

Ich schätze, dass sich momentan Landwirte beziehungsweise landwirtschaftsnahe Personen und normale Verbraucher etwa die Waage halten. Fragen beantworte ich möglichst umgehend. Auch das ist eine sehr wichtige Arbeit und man muss sich die Zeit dafür nehmen. Ich denke, dass besonders der zeitnahe Dialog den Erfolg der Seite ausmacht. Wenn z. B. Bilder einer Webcam aus dem Stall ins Netz gestellt werden, ist das auch eine tolle Idee. Nur müssen diese auch irgendwie kommentiert beziehungsweise diskutiert werden können. Denn ansonsten steht der Verbraucher mit seinen Eindrücken alleine da. Das ist meiner Meinung nach wenig sinnvoll.

Was raten Sie Einsteigern, die bloggen wollen?

Wichtig sind Zeit sowie Lust und etwas Geschick für das Fotografieren und Schreiben. Unsere Homepage habe ich kostenlos und eigenständig mit dem Baukastensystem eines bekannten Anbieters entwickelt. Dafür muss man auf jeden Fall ausreichend Zeit einplanen. Wer dafür keine Zeit oder kein Händchen hat, kann auf Dienstleister wie z. B. Landclick zurückgreifen. Ich brauche pro Woche rund drei Stunden für einen Blog je nach Thema. Für die Betreuung meiner Web- und Facebook-Seite bin ich noch etwas mehr eingespannt. Ein Blog, egal zu welchem Thema lebt nun mal davon, dass regelmäßig etwas gebloggt wird. Ich hoffe, dass mir die Themen nie ausgehen (lächelnd). Einsteiger sollten bereit und mutig genug sein, einen offenen und ehrlichen Dialog mit dem Verbraucher zu führen. Es ist eine Chance für unsere Branche.