Landwirtschaftliche Willkommenskultur

Regina Selhorst ist die Präsidentin des LandFrauenverbands Westfalen-Lippe e.V. Sie informiert über ein nachahmenswertes Projekt: einen Hofabend zum Thema Asyl.

Frau Selhorst, zusammen mit der Landjugend haben Sie eine Aktion durchgeführt, die letztendlich die Willkommenskultur der Landwirtschaft unterstreicht.

Richtig. Ausgangspunkt war ein Kartoffelschälwettbewerb unseres LandFrauenverbands mit der Landjugend, den unser LandFrauenverband für sich entscheiden konnte. Als Ergebnis der Wette wurde ein gemütlicher Hofabend zum Thema Asyl vereinbart. Daran haben durch die Vermittlung des Vereins Jugend ohne Grenzen auch rund 20 Flüchtlinge teilgenommen.

Wie ist der Abend verlaufen?

Trotz einiger Verständigungsprobleme äußerst kommunikativ! Wir haben ganz viel voneinander erfahren und gelernt. Menschen haben zu Menschen gefunden. Eine Zahl von, sagen wir mal, 800.000 Flüchtlingen ist abstrakt. An diesem Abend hat die Zahl aber Gesichter und Stimmen bekommen.

Was hat Sie persönlich am stärksten bewegt?

Die Einzelschicksale haben mich berührt. Besonders das von einem jungen Mann aus Uganda, dessen Frau gestorben ist, weil er die Krankenhausbehandlung nicht bezahlen konnte und der seine drei kleinen Kinder zunächst zurücklassen musste. Ich denke, dass wir in den ländlichen Regionen bessere Chancen haben, Kontakte aufzubauen, als in anonymeren Städten. Viele LandFrauen „leben“ diese landwirtschaftliche Willkommenskultur, die auch ein Stück Öffentlichkeitsarbeit ist. Und das nicht erst seit diesem Jahr.

Was bedeutet für Sie gelebte Willkommenskultur?

Bereits seit vielen Jahren versucht unser Verband Kontakte zu ausländischen Mitbürgern über Landwirtschaft, Gartenarbeit oder gemeinsame Kochkurse zu verbessern. Es ist einfach ein Gebot der Menschlichkeit. Jeder von uns ist gefordert, sich um unsere neuen Nachbarn im Rahmen seiner Möglichkeiten zu kümmern. So zum Beispiel den Hof erkunden oder die Kinder zum Kindergarten mitnehmen. Oder ganz aktuell: gemeinsam das Erntedankfest feiern!  

Wie ist Ihr Engagement nach außen kommuniziert worden?

Grundsätzlich will ich bemerken, dass wir in diesem Fall nicht den Fokus auf eine möglichst intensive PR-Begleitung gelegt haben. Auf Facebook gab es zwar einige Posts und im Wochenblatt einen Bericht. Im Mittelpunkt stehen aber die Menschen, denen wir helfen wollen. Für mich und meine Gruppe ist das eine Herzenssache.