Burghard Sagel kombiniert auf seinem Hof Landwirtschaft mit sozialem Engagement.

Burghard Sagel hat am Rand der Großstadt ein ungewöhnliches Betriebskonzept entwickelt. Foto Privat

Kettenreaktion mit Nebenwirkungen

Eigentlich sah die Zukunft für Schweinezüchter Burghard Sagel aus Bottrop nicht gerade rosig aus. Doch dann kamen seine Chancen. Der Unternehmer mit der sozialen Ader nutzte sie – auch für die Öffentlichkeitsarbeit.

2016-11-30

Herr Sagel, Ihr Betrieb hat eine ungewöhnliche Entwicklung genommen. Was war der Auslöser?

Das ist eine lange Geschichte. Mit 28 Hektar Acker- und Grünland und einer kleinen Schweinzucht waren die wirtschaftlichen Perspektiven nicht so besonders. Doch dann kamen die ersten Tageskinder zu uns, anschließend entstand der Kontakt zur Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof. Kurz darauf haben wir einen Artikel über Mietgärten gelesen und das sofort umgesetzt. Die Hobbygärtner sahen dann unsere Mutterkühe und fragten, ob wir denn auch Fleisch direkt vermarkten wollen. Das ist jetzt neben den zuvor genannten Aktivitäten nun unser neuer Betriebsschwerpunkt.

Sie sind bei Ihren Tageskindern und Hobbygärtner ein echter Sympathieträger. Wie erklären Sie sich das?

Es hängt vielleicht ein wenig mit meiner Mentalität zusammen. Ich bin temperamentvoll und lebensfroh und nehme mir viel Zeit für Menschen. Wir bieten Landwirtschaft mit Familienanschluss. „Wir“ – das sind meine Lebensgefährtin Patricia Nolting, unsere sechs Kinder, Opa Heinz, den wir mehr oder weniger adoptiert haben und der Mädchen für alles ist, sowie Lene und Corni, die seit vielen Jahren bei uns mithelfen. Unsere Großfamilie vermittelt den Kindern soziale und kommunikative Fähigkeiten. Sie lernen sehr viel rund um den Bauernhof. Wir haben den Eindruck, dass sie gleichzeitig robuster, ausgeglichener und bewegungsaktiver werden.

Sie wirtschaften konventionell. Wie reagieren Gäste und Kunden?

Grundsätzlich produziere ich die Produkte, die der Verbraucher haben möchte. Ich spiele mit offenen Karten und erkläre, was ich wieso mache. Im Gespräch mit meinen Hofbesuchern frage ich beispielsweise, ob sie gerne beim Essen auf Kartoffeln verzichten wollen, wenn aktuell Krautfäule die Kultur bedroht. Der gezielte Pflanzenschutzmitteleinsatz als Konsequenz wird überwiegend akzeptiert. Und wenn eine Kuh nach dem Abkalben Milchfieber bekommt, will ich ihr unnötige Qualen ersparen. Natürlich bekommt sie Medikamente vom Tierarzt! Die allermeisten Hofbesucher unterstützen das. Sie sehen, wie verantwortungsvoll wir tagtäglich unsere Tiere behandeln. Die Besucher erkennen, dass wir Bauern geworden sind, weil wir gerne mit Natur und Nutztieren umgehen.

Auf Ihrem Hof ist immer etwas los. Nutzen Sie das für Imagearbeit?

Ja klar. Es bieten sich Möglichkeiten ohne Ende. In den persönlichen Gesprächen mit Erwachsenen beziehe ich Stellung, bin aber auch immer für bessere Argumente zu haben. Besonders gerne diskutiere ich über Werte. Dazu ein Beispiel: Kürzlich war ich in Schottland. Da gab es in einer Destillerie eine Flasche Whiskey für schlappe 80 Euro zu kaufen. Aber wir sollen unser sorgfältig erzeugtes Fleisch verramschen? Meine Hobbygärtner verstehen, was ich damit sagen möchte. Für sie ist der Preis des Rindfleischs zweitrangig. Sie kaufen es, weil sie von unserer Haltung überzeugt sind.

Mittlerweile sind Sie oft in den Medien präsent. Wie ist es dazu gekommen?

Was für Hobbygärtner gilt, trifft auch für Medienvertreter zu. Die haben zum Teil viel bessere Artikel über uns geschrieben, als ich es jemals könnte. Unser ungewöhnlich vielseitiges  Betriebskonzept reizt die Medien wahrscheinlich auch ein bisschen. Ganz entscheidend ist aber unsere Authentizität. Wir alle stehen voll und ganz hinter unserer Arbeit. Bei uns kann man soziale Landwirtschaft erleben und wir haben Spaß daran. Dann springt der Funke auch über.

http://www.bauernhof-sagel.de/