Bauernregel Gibts nur Mais auf weiter Flur fehlt vom Hamster jede Spur Forum moderne Landwirtschaft

„Emotionen zeigen ja, polemisieren nein“

schillipaeppa.net: eine Adresse, die Sie sich merken sollten. Hier bloggt die auf dem Land gestrandete Philosophin Susanne Günther über neue Bauernregeln, Glyphosat, Gentechnik und vieles mehr.

2017-02-15

Auf Ihrem Blog sind aktuell die „neuen Bauernregeln“ des Bundesumweltministeriums das Topthema. Wie wählen Sie die Themen aus und was wollen Sie damit bezwecken?

Parteien und NGOs halten mich auf Trab. Sie sorgen dafür, dass die landwirtschaftlichen Aufregerthemen so schnell nicht ausgehen. Die neuen Bauernregeln habe ich gleich mehrfach aufgegriffen. Unter anderem mit eigenen Beiträgen und einem sehr authentischen offenen Brief einer Landwirtin an Ministerin Barbara Hendricks. Ich will für mehr Transparenz sorgen, der Landwirtschaft Argumentationshilfen an die Hand geben und sie animieren, sich in den sozialen Medien zu Wort zu melden.

 

Was motiviert Sie dazu?

Da muss ich etwas weiter ausholen: Als studierte Philosophin habe ich zunächst im Marketing gearbeitet. Ich war ein eher unpolitischer Mensch und hatte eine neutrale Einstellung zur Landwirtschaft. Durch meine Einheirat auf einen Bauernhof hat sich das geändert. Positiv überrascht vom nachhaltigen Denken und der modernen Arbeitsweise war und bin ich erschrocken, wie einseitig die Landwirtschaft in der Öffentlichkeit dargestellt wird. Um das Bild von den Bauern wieder etwas gerade zu rücken, habe ich beschlossen, selbst aktiv zu werden. 

 

Das war die Geburtsstunde für schillipaeppa.net?

Noch nicht. Zunächst habe ich meine Sicht der Dinge in verschiedenen Online-Foren sowie den sozialen Medien untergebracht. Als die Zeitung taz dann einen Kommentar von mir nicht auf ihrer Website veröffentlichen wollte und mir schrieb, dass ich bitte Verständnis dafür haben sollte, dass sie mir die Gründe dafür nicht nennen wollen, war es dann soweit. Die Geburtsstunde von schillipaeppa.net trägt den Titel „Meinungsfreiheit – nein danke“ und war mein erster Blogbeitrag. Zu dem einprägsamen Namen „schillipaeppa“ hat mich übrigens die Rockband Red Hot Chili Peppers inspiriert. Dass sich der Blog thematisch vor allem mit der Landwirtschaft befassen wird, war damals noch nicht absehbar.

 

Wie kann der einzelne Landwirt Ihren Ansatz unterstützen?

Jeder sollte in der Öffentlichkeitsarbeit das tun, was er am besten kann: Das können Betriebsführungen sein, Angebote für Schulklassen, Leserbriefe an die Lokalzeitung oder die Beteiligung an Diskussionen in den sozialen Netzwerken. Zu den Bauernregeln gab es Hunderte von Kommentaren auf den Facebook-Seiten des Ministeriums und von Ministerin Hendricks, davon sind schätzungsweise rund 90 Prozent von Landwirten. Das finde ich sehr beeindruckend. Auch auf Twitter beteiligen sich die Berufskollegen. Wichtig finde ich, dass Kommentare und Posts sachlich bleiben. Wir dürfen Emotionen zeigen, sollten aber nicht polemisch werden, auch wenn’s schwerfällt. Das kommt bei den Lesern nicht gut an und liefert nur Angriffsfläche. Wer selbst nicht schreiben will, kann vielleicht als Ansprech- oder Servicepartner für den Lokaljournalisten vor Ort zur Verfügung stehen.

 

Haben Sie bereits Erfolge festgestellt, wie sind sie messbar?

Generell sind Erfolge in der Öffentlichkeitsarbeit schwer messbar. Auf meinem Block bezogen ist das etwas einfacher. Hier dienen die Klickzahlen als Maßstab dafür, was bei den Lesern ankommt. Das „erfolgreichste“ Thema in den letzten zwei Jahren war Glyphosat. Für mich persönlich sind Einladungen zu Vorträgen eine Bestätigung, zum Beispiel durfte ich im vergangenen Jahr bei der Wintertagung des Ökosozialen Forums in Wien referieren. Das zeigt mir, dass schillipaeppa.net wahrgenommen wird.

 

Weitere Informationen:

https://schillipaeppa.net/

https://www.facebook.com/schillipaeppa/?fref=ts

https://twitter.com/schillipaeppa?lang=de