100 Euro jährlich für Öffentlichkeitsarbeit

Das investieren mittlerweile zahlreiche Landwirte aus dem Kreis Harburg in Niedersachsen. Erstes gemeinsames Projekt ist die Internetseite www.harburg-landwirtschaft.de, die als Plattform für alles Weitere dienen soll. Das Besondere: Ihre Inhalte sind das Ergebnis einer Verbraucherbefragung. Hartmut Peters von der Agrarberatung Nordheide erläutert die ungewöhnliche Initiative.

Herr Peters, die Landwirtsfamilien im Kreis Harburg haben mit ihrer Initiative Neuland betreten …

Ja, mir ist kein vergleichbares Projekt in Deutschland bekannt. Das Prinzip ist einfach: Die Betriebe zahlen jeweils einen Betrag von rund 100 Euro in einen gemeinsamen Topf. Mit diesem Geld finanzieren wir unsere Projekte. Und die sind sehr genau auf die Verbraucherinteressen zugeschnitten.

Wie können Sie da so sicher sein?

Wir haben vorab unsere Mitbürger im Kreis Harburg befragt und rund 1.100 Fragebögen ausgewertet. Die Mehrzahl der Befragten wünschte sich eine zentrale Internetseite, auf der unter anderem Höfe vorgestellt werden. Gefragt sind vor allem Informationen zur Tierhaltung, zum Naturschutz und zur Direktvermarktung. Wir haben aber auch unsere Schlüsse aus den Wünschen an die Landwirtschaft und Aussagen zu möglichen Konfliktfeldern gezogen. Das setzen wir jetzt um.

Wer ist „wir“ und wie sind Sie auf diesen Ansatz gekommen?

Unsere Gruppe besteht mittlerweile aus fast 200 Landwirtsfamilien aus dem Kreis. Mit im Boot sind außerdem die wichtigen landwirtschaftlichen Organisationen wie Landwirtschaftskammer, Landvolk, Landfrauen, Maschinenring und Beratungseinrichtungen. Die Initiative ist von unserer Agrarberatung Nordheide ausgegangen. Ich bin überzeugt, dass Öffentlichkeitsarbeit ein entscheidender Betriebszweig für die Zukunft ist. Wir müssen die Moderne Landwirtschaft erklären und für Akzeptanz werben. Sonst gibt es immer mehr Gegenwind. Beispiele sind die Bürgerinitiativen gegen neue Ställe, die vielfach Existenzen bedrohen.

Wie wollen Sie vorgehen?

Unsere Internetseite www.harburg-landwirtschaft.de, die jetzt online ist, bildet die Plattform. Es geht uns um Transparenz, denn viele Mitbürger wissen nicht mehr, was auf den Höfen passiert. Wir werden zunächst einmal circa 50 Betriebe vorstellen. Mit dabei sind Direktvermarkter und Hofcafés, die vielfach gar nicht bekannt sind. Darüber hinaus werden wir mit Hilfe dieser zentralen Internetseite neue Aktionen wie die „Tour de Flur“ unserer Landfrauen bekannt machen und bei der Suche nach Höfen helfen, die Betriebsbesichtigungen, Kindergeburtstage oder ein Melkerdiplom anbieten. Das Rad fängt an sich zu drehen!

Mussten Sie für Ihre Ideen viel Überzeugungsarbeit in der Landwirtschaft leisten?

Nein. Es ging überraschend reibungslos. Vielfach war die Reaktion: „Endlich ergreift jemand die Initiative“. Die ersten 130 Betriebe konnten wir relativ schnell gewinnen. Wir hoffen natürlich auf noch mehr Unterstützer. Es gibt rund 900 landwirtschaftliche Betriebe im Kreis, davon sind 600 Vollerwerbsbetriebe. Wenn jeder 100 € im Jahr in diese wichtige Aufgabe investiert, können wir viel erreichen.

 

landwirtschaft-harburg.de

Ergebnisse Verbraucherbefragung Kreis Harburg