Vom Acker in die Kinosäle

Claus Schmoldt ist Vorsitzender der Junglandwirte Stade. Mit einem landwirtschaftlichen Imagefilm der Landwirte aus seiner Region schaffte er es bis in die Kinosäle Hamburgs. Wie - das verrät er im Interview.
2017-06-19
Claus, zunächst war euer Imagefilm nur für den Junglandwirtetag gedacht. Jetzt läuft er sogar im Kino. Wie kam es dazu?
 
Wir Junglandwirte wollten schon lange einen Imagefilm machen und als sich dann Stade als Standort des Junglandwirtetages abzeichnete, da wussten wir: Jetzt machen wir einen Film. Da wir verhältnismäßig viel Zeit und Geld investiert haben, wollten wir aus der Gesamtaktion eine möglichst hohe Reichweite erzielen. So ergab sich die Idee damit ans Kino heranzutreten. 
 
Was waren die Hürden bei der Filmproduktion?

Alle 12 Personen im Vorstand zu überzeugen und gemeinsame Ideen und Visionen abgleichen. Wer kommt als Protagonist in Frage? Welche Themen wollen wir zeigen? Was macht die Region aus? Wie steht es mit der Finanzierung? Eine professionelle Produktion kostet schließlich Geld. Meine Erfahrung ist, je besser das Briefing, desto zufriedener der Kunde, also wir. Wann kann ich welche Außenaufnahme (Grasernte, Rapsblüte,…) machen und kann ich den Rest des Tages im Stall drehen. Aus einem Drehtag muss möglich viel gutes  Filmmaterial und unterschiedliche Szenen herausgeholt werden. Daher mein Tipp: Ganz früh einen Plan machen! Was muss unbedingt rein (Ernte, Tierhaltung, Stallaufnahmen, Wirtschaftsdünger, Computertechnik, Büroarbeit) und wann müssen bestimmte Dinge gedreht werden (Blüte etc.).
 
Was wolltet ihr mit dem Film vermitteln?

Dass wir unseren Beruf lieben und dem Nicht-Landwirten zeigen möchten, wie unser Alltag aussieht. Auch, dass dieser Alltag nichts mit den zumeist negativen Bildern und Skandalen in den Medien gemein hat. Im Schlussstatement sage ich ganz deutlich: Rede mit uns und besucht uns! Daher auch die Namen alle beteiligten Betriebe im Abspann.
 
Nun zu dir persönlich: Warum engagierst du dich in der Öffentlichkeitsarbeit?

Ich liebe meine Heimat und meinen Beruf. Ganz simpel stört es mich natürlich, wenn ich mitbekomme, was der Großteil der Deutschen über Landwirtschaft kommuniziert bekommt. Auch, wenn sie von ihren deutschen Bauern eine gute Meinung haben, so scheint es kein Widerspruch zu sein, dass in der Landwirtschaft und der Ernährungswirtschaft einiges im Argen zu liegen scheint. Zudem ist es ganz rational sehr wichtig, dass wir als Landwirtschaft ein realistisches Bild von uns vermitteln.

Hast du noch einen Tipp für die zukünftigen Imagefilm-Produzenten?

Der Köder soll dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Hört auf die Profis. Der Clip sollte den Berufskollegen gefallen, aber ganz klar waren sie nicht die fokussierte Zielgruppe! Es war als Clip für Nicht-Landwirte gedacht und wenn er nicht als Dokumentation im Öffentlich-Rechtlichen läuft, dann ist die Zielgruppe automatisch (Internet und Kino) eher jünger. Daher setzten wir auch auf schnelle Cuts und etwas moderne, schnelle Musik. Auch ein Zeitplan ist hilfreich. Die Premiere auf dem Junglandwirtetag und die Streuung des Filmes am gleichen Tag im Netz ist klar, aber was kommt danach. Der Clip darf nicht „alt“ werden, aber auch alles an einem Tag wäre nicht gut gewesen. Wir haben ihn erst in der Branche gezeigt und dann sind wir damit nach außen gegangen und haben die "Agrarblase" verlassen. Gott sei Dank. Entstanden sind ein ganzseitiges Portrait über die Junglandwirte in der "WELT" sowie mehrere Kinokooperationen in Stade und im Hamburger Abaton-Kino. Natürlich waren wir bei der Premiere vor Ort. Film hin oder her: Das persönliche Gespräch zählt immer noch am meisten.